Patagonien – Von Cochamo bis zu den Torres del Paine

01 Januar 2026 – ein großer Traum wird war: Zusammen mit Sofie und Arne bin ich auf dem Weg nach Patagonien. Das Ziel: Das Cochamó-Tal in Nordpatagonien in der Nähe von Puerto Varas. Wir planen in diesem abgelegenem Tal ein Forschungsprojekt durchzuführen. Wenige Tage zuvor, im Dezember 2025, konnte die NGO „Puelo Patagonien“ nach jahrelanger Vorbereitung und einer großen Fundraising-Campagne das Gebiet „Conserva Puchegin“ erwerben, und somit 1330 km² langfristig unter Schutz stellen. Zusammen mit Puelo Patagonia möchte wir den Einfluss des Klettersports anschauen, um zu verstehen, wie sich der wachsende Klettertourismus im Einklang mit Natur und Kultur gestalten lässt.  

Die Landschaft in Cochamó könnte eindrucksvoller kaum sein: Nach 3 Stunden Wanderung öffnet sich das Tal etwas und gibt den Blick auf die großen Wände frei. Aus den unberührten Wäldern des temperaten Regenwaldes ragen die 1000 Meter hohe Wände heraus, für die Jahr für Jahr mehr Kletterer hier herkommen, das Tal hat sich als das „Yosemite von Südamerika“ herumgesprochen. Das Besondere hier ist aber die Unzugänglichkeit und die Unberührtheit. Im Vergleich zu vergleichbaren Gegenden in Patagonien komme nur wenige Besucher ins Tal, und auf den Erhalt der Natur und Kultur wird viel wert gelegt.

Neben einer Besucherumfrage und Biodiversitäts-Kartierungen bleibt uns auch Zeit zum Klettern. Die hohen Wände, Granitmassen und Abgelegenheit machen das Klettern hier aus. Ich hatte vorher Erfahrungen im Trad- und Alpinklettern, doch in solch großen Wänden war ich noch nicht unterwegs. Die Touren sind meistens toll eingerichtet, die Stände sind gebohrt und wo eine Absicherung mit mobilen Sicherungen nicht geht stecken Bohrhaken. Der Rest, und damit der Großteil, ist Trad. Die Seillängen sind lang (60m ist keine Seltenheit), und die Risse oft wie aus dem Bilderbuch. Die Ausrüstung ist eine Balance zwischen Materialschlacht und dem Gewicht, das man ja nicht nur in der Wand mitnehmen, sondern auch vom Tal dorthin tragen muss. Vom Campingplatz bis in die „oberen Täler“, wo die meisten Touren sind, sind es etwa 3 Stunden. In den kommenden Wochen können wir eine Reihe an Touren in unterschiedlichen Schwierigkeiten machen. Die Bewertungen sind sowieso sehr subjektiv. Die ein oder andere 6a bis 6b waren ernsthafte Herausforderungen, teilweise haben sich die 7as leichter angefühlt. Im Tal gibt es in jeden Fall eine große Auswahl wunderschöner Touren mit verschiedener Länge und Anspruch, gewisse Erfahrung im Alpinen muss man hier aber mitbringen.

Riesenfischer am Cochamó-River

Rabengeier - die häufigste Geierart in Südamerika

Magellanspecht (Männchen) - Eine Charakterart in den Regenwäldern Chiles

Auch Flora und Fauna ist sehr beeindruckend, der temperate Regenwald hier wird geprägt von den mächtigen Alercen. Die 40 bis 60 Meter hohen Überhälter stehen wie mächtige Säulen im Wald und haben vermutlich schon ein paar Jahrtausende überlebt. Die Vogelwelt ist vielfältig und für mich vollkommen neu. Am Campingplatz fliegen Kolibris und Papageien herum, beim Klettern kann man das Glück haben, dass einer der gelegentlich vorbeikommenden Kondore näher kommt und der Wald ist geprägt von den Rufen der Tapaculos. Eine große Besonderheit sind die Viscachas (Südliches Bergviscacha), die in den Geröllhalden über der Baumgrenze zwischen den Steinen leben. Sie schauen aus wie eine Mischung aus Murmeltier und Hase. Bisher ist nur wenig über ihre versteckte Lebensweise und ihre Verbreitung bekannt.

Riesenfischer am Cochamó-River

Chilekolibri - eine häufige Art in Cochamó

Portrait

Nach eineinhalb Monaten im Cochamó-Tal zog es mich dann doch noch nach Südpatagonien, ein großer Traum für mich, während Sofie in der Gegend um Cochamó blieb. Süd- und Nordpatagonien sind zwar auf Südamerikanischer Skala in der Nähe, zwischen Cochamó und El Chalten liegen aber doch 1700 km und 1,5 Tage Busfahrt. Doch die Fahrt hat sich gelohnt. Die Landschaft hier völlig anders, die Kulisse der südamerikanischen Pampa mit den gigantischen Felsmassiven des Fitz Roy und Cerro Torre und ihren Eismassen ist unglaublich beeindruckend. Zum alpinen Klettern bin ich hier in den paar Tagen nicht gekommen. Der Zustieg, die Abgelegenheit und der alpine Anspruch ist nochmal eine Nummer höher als in Cochamó und meist braucht man gewissen Erfahrung im Eis. Aber auch das Sportklettern und Bouldern um El Chalten ist überraschend, wobei man dafür nicht unbedingt herkommt. Die meiste Zeit habe ich die Gegend mit der Kamera erkundet.

Fitz Roy - Massiv

Cerro Torre - Massiv

Von El Chalten ging es nochmal weiter in den Süden – in den Torres del Paine Nationalpark. Mein Ziel war es Pumas zu fotografieren. Ich habe mir für 5 Tage ein Mietauto genommen und mich ohne geführte Tour auf die Suche gemacht. Die größte Dichte lebt an der westlichen Grenze des Parks, sowohl innerhalb als auch außerhalb. Leider ist man gezwungen auf der Straße zu bleiben, da innerhalb des Parks striktes Wegegebot gilt und die Gebiete außerhalb Privatland sind. In Südamerika gibt es kein Jedermannsrecht, wie bei uns, und die Landbesitzer lassen sich geführte Pumatourenextrem gut bezahlen. Das hat dazu geführt, dass die Touren, bei denen man auf das Land darf um nah an die Großkatzen heranzukommen unbezahlbar sind. Wenn aber jeder dort raumlaufen würde, wäre das bei der Anzahl der Menschen allerdings auch ein ernsthaftes Problem und würde nicht funktionieren.

Die gelblichen Katzen in der hügeligen Pampa zu finden ist ein Gedulds- und Glücksspiel. Man sollte sich auf jeden Fall Zeit nehmen, meine 5 tage waren sicher eher etwas zu kurz. Ich hatte jedoch fantastische Sichtungen, insgesamt 5 mal. Das Highlight war sicherlich, als ich früh im ersten Licht in Sichtweite eines Risses stand (den ich vom Abend zuvor wusste) und mit dem kommenden Tag immer mehr Pumas auftauchten. Am Ende konnte ich vier recht große Jungtiere am Guanako-Riss beobachten. Ein unvergessliches Erlebnis.

Schopfkarakara

Gürteltier

Farbtupfer in der Pampa: Langschwanzstärling

Natürlich ist auch die Vogelwelt und die Landschaft der Torres del Paine atemberaubend, vor allem wenn der Blick auf die riesigen Türme frei ist. Als Fotograf muss man hier Motive jedenfalls kaum suchen. Ein Highlight für mich waren die Kondore in der Gegend. In der Nähe von Puerto Natales gibt es einen Schlafplatz, dort fliegen die riesigen Vögel in nächster Nähe vorbei. Die Tierwelt hier ist nicht sehr artenreich, aber perfekt aufeinander abgestimmt. Die Guanakos sind für viele Tiere die Nahrungsgrundlage. Reißt ein Puma eines der Lamas, tauchen sofort Caracaras auf um etwas abzubekommen. Diese sind die Zeiger für den Andenfuchs und dann die Kondore, die auftauchen wenn der Puma den Platz verlassen hat.

Nach der Zeit im Torres del Paine ging es dann zurück nach Santiago und nach weiteren 2 Tagen war die Zeit in Chile vorbei – zweieinhalb unvergessliche Monate in Patagonien, oft an abgelegenen und wilden Orten, mit tollen Menschen und bleibenden Erinnerungen gehen zu Ende. Doch die Vorfreude für die nächste Südamerika-Reise, wann auch immer, ist jetzt schon da!

Riesenfischer am Cochamó-River
Magellanspecht (Männchen) - Eine Charakterart in den Regenwäldern Chiles
Rabengeier - die häufigste Geierart in Südamerika

Herbst 2024 in Norwegen

Herbstzauber im hohen Norden

Ende August machten Kathi und ich uns auf in den hohen Norden – es ging für fünf Wochen nach Norwegen und Schweden. Der September mag da erstmal nicht als der optimale Reisemonat erscheinen, an Regen und Kälte denkt man da wohl eher, als an Sonne und Sommerhitze.

Doch auch in Flatanger, einige 1000 Kilometer nördlich, war Klettern in T-Shirt und kurzer Hose eher die Regel als die Ausnahme. Dorthin zieht es seit einigen Jahren die Kletterwelt, die große Höhle mit perfektem Granit bietet von leicht bis schwer eine große Auswahl an Touren. Wobei der Schwerpunkt sicherlich auf den oberen Schwierigkeitsgraden liegt, schließlich gibt es hier einige der schwersten Sportklettertouren weltweit. Wir konnten also nicht nur selbst klettern, sondern auch der Prominenz der Kletterwelt zuschauen. Auch die Ruhetage werden in Flatanger nicht langweilig, egal ob auf der Suche nach Elchen und Pilzen, beim Beobachten von Delfinen in den Fjorden oder einfach beim Entspannen am See.

Doch nach einigen Tagen zog es uns nochmals weiter nach Norden, bis auf die Lofoten. Die Inselgruppe ist für ihre spektakuläre Landschaft weltweit bekannt. Die ersten Tage meinte das Wetter es gut mit uns, wir konnten Bouldern und uns an den selbst abzusichernden Touren versuchen. Denn auf den Lofoten gibt es nur wenige Bohrhaken, der größte Teil ist Trad, also selbst zu sichern.

Mit der Zeit nahmen Regen und Wind doch deutlich zu und die Felsen wurden feuchter. Klettern wurde damit doch sehr ungemütlich und wir erkundeten die Berge und Fischerdörfer der Inselgruppe auf kleinen Wanderungen zu Fuß. Kathi traute sich sogar zum Surfen in den Nordatlantik. Mitte September ist die Herbstfärbung im Norden bereits auf ihrem Höhepunkt und die Birkenwälder leuchten gelb. Die bunten Farben geben der Landschaft nochmal einen besonderen Touch. Gleichzeitig sind Touristen nicht mehr in Massen unterwegs, und an den im Sommer überlaufenen Plätzen ist man fast (wenn auch nicht ganz) allein.

Bevor wir uns wieder auf den weiten Weg nach Süden machten, legten wir noch einen Stopp im Rago Nationalpark ein. Der kleine Park ist zusammen mit den in Schweden angrenzenden Nationalparks eines der größten Schutzgebiete Europas. Der Blick auf den Litlverivassforsen-Wasserfall zählt für mich zu den schönsten Panoramen, die Norwegen zu bieten hat. Kälteeinbruch und der mittlerweile recht tief liegende Schnee trieb uns etwas schneller als geplant entlang der Helgelandküste und durch Trondheim weit nach Süden in den Dovrefjell-Sunndalsfjella-Nationalpark. Auf dem recht hoch liegenden Fjell hatten wir schon auf dem Weg nach Norden einen Stopp eingelegt, als die Blätter sich langsam verfärbten. Ende September erlebten wir dann den ersten Wintereinbruch mit Schneetreiben und nächtlichen Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt. Das Tier, das wir hier suchten, ist an diese Bedingungen gut angepasst und kommt auch mit -30°C und Schneesturm zurecht: Der Moschusochse. Die Uhrzeitriesen sind perfekt an extreme Kälte angepasst und waren während der letzten Eiszeiten weit verbreitet. Heute kommen sie vor allem in Alaska und Kanada vor, im Dovrefjell wurden die Tiere um 1950 wiederangesiedelt. Über Oslo ging es weiter ins schwedische Klettergebiet Bohuslän. Auch hier war selbst absichern angesagt. So konnten wir noch zwei Tage die Sonne in Südschweden genießen, bevor es zurück nach Deutschland ging.

Für mich war es das zweite Mal in Norwegen, und wieder war ich tief beeindruckt von der Tierwelt und den beeindruckenden Landschaften, geprägt vom Kontrast zwischen Wasser und Bergen. Es war sicherlich nicht die letzte Reise in dieses wundervolle Land.